Beitrag vom: 09.03.2010 14:04:04

Sturmtief Xynthia - Schadensbilanz Forstamt Gerolstein

Das Sturmtief „Xynthia“ hat auch die hiesigen Wälder nicht verschont.

 

Die Lage in den Wäldern des Forstamtes Gerolstein stellt sich nach dem ersten groben Überblick wie folgt dar:

Die Gesamtmenge des am 28.02.2010 geworfenen Holzes beträgt etwa 50.000 fm, wobei etwa 60% auf rd. 70 ha flächig und 40% als Einzelwürfe oder in sogenannten „Nestern“ angefallen sind. (Erfahrungsgemäß werden diese Angaben nach oben zu korrigieren sein, nachdem alle Flächen vollständig zugänglich sind und die Schäden nach und nach genauer ermittelt werden können.).

 

Von der Gesamtmasse entfallen auf die Wälder im Bereich der Verbandsgemeinde Gerolstein mit Teilen der Verbandsgemeinde Kyllburg (Gemarkung Zendscheid und Staatswald der Gemarkung Burbach) 35.000 fm und Obere Kyll 15.000 fm. Anders als 2007 durch „Kyrill“ mit insgesamt rd. 80.000 fm Schadholz ist nun also die Verbandsgemeinde Gerolstein und hier insbesondere der Stadtwald Gerolstein in den Gemarkungen Müllenborn und Roth betroffen.

 

Der Schadenshergang ergibt kein einheitliches Bild: das Kylltal scheint im Süden des Forstamtes wie eine Düse gewirkt zu haben, da größere Flächen und Nester in den windzugewandten Hanglagen in einheitlicher Richtung geworfen wurden. In Höhenlagen oder auf Bergrücken sind einzelne Bäume und Nester durch unterschiedliche Böen in alle Richtungen geworfen. Frisch durchforstete oder bereits angerissene Bestände sind in der Regel bei Sturm besonders gefährdet. Aber auch hier hat „Xynthia“ kein einheitliches und „der Regel entsprechendes“ Schadensbild hinterlassen; augenscheinlich stabile Bestände sind genauso betroffen wie bereits vorgeschädigte oder frisch durchforstete Wälder.

 

Insgesamt betrachtet sind 50.000 fm Sturmholz im Forstamt Gerolstein zwar nur mit 50% des normalen Jahreseinschlages gleichzusetzen, bedeuten dennoch wegen der Folgen (Organisations- und Aufarbeitungsaufwand, Wegeinstandsetzungskosten, vor allem aber auch Zuwachsverluste, Aufwand für die Wiederbewaldung und das Risiko für Folgewürfe in den angerissenen Beständen) jedoch wieder außergewöhnliche Anstrengungen der Waldbesitzer und unseres Personals.

 

Zunächst geht es darum, eigenes Personal und Unternehmer nochmals im Bezug auf das erhöhte Gefahrenpotenzial und Unfallverhütung zu sensibilisieren und zu schulen. Nach dem Freiräumen der Wege werden die Schäden noch genauer ermittelt sowie Prioritäten und eine Aufarbeitungsstrategie festgelegt, damit die Aufarbeitungsgeschwindigkeit einem möglichst großen Holzabfluss angepasst werden kann. Da Gott sei Dank die meisten Bäume geworfen und nicht gebrochen sind, hängen diese noch an der Wurzel, was wiederum eine Art der „Lebendkonservierung“ darstellt.

Unser Ziel ist es, im Sommer mit der Aufarbeitung fertig zu sein und möglichst sämtliches Holz direkt zu vermarkten und auf eine Konservierung im Nasslager oder in Folienpoltern zu verzichten. Durch die bewährte Unterstützung der ortsansässigen Holzeinschlags- und Rückeunternehmen und deren Maschinen und die guten Verbindungen zu unseren Stammkunden ist dieses Ziel aus derzeitiger Sicht durchaus realistisch.

 

Wegen der regional begrenzten und insgesamt „überschaubaren“ Schäden, gehen wir derzeit davon aus, dass sich der Sturm nicht nachteilig auf den Holzpreis auswirkt. Klar und nachvollziehbar dürfte aber sein, dass vorerst alle planmäßigen Nadelholzhiebe – auch im Kleinprivatwald – zurückgestellt werden und die gesamte Aufmerksamkeit den vom Sturm geworfenen und gebrochenen Hölzern gewidmet wird, damit dieses Holz seinen Wert behält und ein eventueller Borkenkäferbefall im Frühjahr abgewendet werden kann.

Wir bitten alle Waldbesitzer um Verständnis für unsere Vorgehensweise und bieten für den Kleinprivatwald gerne unsere kostenfreie Beratung zur Aufarbeitung und Vermarktung des Windwurfholzes an. Hierzu bitten wir um Kontaktaufnahme mit unserem Privatwaldbetreuungsbeamten, Herrn FOI Martin Fleck (06558/ 1382 oder 01522/ 8850639).

 

Erhöhte Gefährdung bei Waldspaziergängen

 

Das Waldgesetz lässt sehr weitreichende Betretungsrechte durch Waldbesucher zu. Allerdings „erfolgt das Betreten grundsätzlich auf eigene Gefahr“! Nach solchen Stürmen wie „Xynthia“ empfehlen wir, in den folgenden Wochen noch Waldspaziergänge zu vermeiden, weil angeschobene Bäume, angebrochene Kronen und Äste u. U. nicht sichtbar sind und schon durch ein „laues Lüftchen“ zur Gefahr werden können. Dies Empfehlung gilt auch oder insbesondere für beliebte Wanderwege innerhalb des Waldes – also auch für den Eifelsteig.

 

Einschränkung des Betretungsrechtes im Wald wegen Windwurfaufarbeitung!

 

Da die Aufarbeitung von Sturmholz eine sehr hohe Gefahrenquelle darstellt und neben den Forstwirten in großem Umfang Maschinen eingesetzt werden, ist automatisch das freie Betretungsrecht zur Sicherheit aller nach § 22 (4) Landeswaldgesetz eingeschränkt.

Die abgesperrten Wege und Areale, sowie alle Flächen, in denen Holz aufgearbeitet wird, sind unter keinen Umständen zu begehen. Es besteht Lebensgefahr!

Das Betreten dieser Bereiche stellt eine Ordnungswidrigkeit gemäß § 37 (2) Landeswaldgesetz dar.

Wir bitten höflichst alle Waldbesucher um Rücksichtnahme und danken für Ihr Verständnis. – Forstamt Gerolstein –

 

Winfried von Landenberg

Quelle: VGV Gerolstein/ Forstamt Gerolstein