21.11.2017 13:07:22

Hochwasser 1918

Hochwasser Januar 1918

           

Hochwasser der Kyll und der einmündenden Bäche haben den Ort und die Bewohner des- öfteren bedroht. Ein besonders starkes Hochwasser war das vom Januar 1918.

 

Der Trierische Volksfreund berichtet in der Morgenausgabe vom 17. Januar 1918, das Hochwasser sei „springflutartig in der Nacht zum gestrigen Mittwoch aufgetreten. Die Staatsbahn gab den Verkehr auf der Kölner und Irreler Strecke auf. Alle Nebenflüsse der Mosel sind über die Ufer getreten, zahlreiche Ortschaften meterhoch überschwemmt“.

 

Ein auf den 16. Januar 1918 datiertes Foto lässt das Ausmaß und die katastrophalen Folgen für die betroffenen Menschen in Mürlenbach erahnen:

 

 

 

 

   

Zu dem verheerenden Hochwasser in der gesamten Region gibt auch der nachstehende Auszug aus der Trierischen Landeszeitung in ihrer Morgenausgabe vom 19. Januar 1918 eine Vorstellung:

 

Prüm, 16. Jan. Die Nacht vom 15. auf den 16. Januar ist für Viele unseres Kreises eine wahre Schreckensnacht gewesen. Das plötzlich einsetzende Tauwetter brachte die in den letzten Wochen niedergegangenen riesigen Schneemengen zur Schmelze. Ein anhaltender Regen vermehrte die Wasser-mengen noch, so dass die Kanäle und Wasserabläufe das Wasser nicht alle fassen konnten. Die Folge davon war in vielen Häusern großer Schaden in Kellern, Ställen und den unteren Wohnräumen.

 

Der Zugverkehr auf der Kyllstrecke musste infolge des Hochwassers, das an mehreren Stellen den Eisenbahndamm und die Gleise wegspülte, eingestellt werden.

 

In der Gegend von Pelm ist heute Morgen eine Scheune bis Densborn getrieben worden, in der gerade vier Mann am Dreschen waren.

 

 

Auch der Trierische Volksfreund berichtet wortgleich über die seltsame Scheune mit den 4 Dreschern.

 

Da haben die Eifelaner offenbar den Zeitungsreportern einen dicken Bären aufgebunden!

Diesen Bären hat sogar J. Hubert Müller 1932 in seiner Publikation übernommen: „Eine Sage meldet, dass einst eine Holzscheune vom Hochwasser abgetrieben wurde, in der noch 4 Bauern des Morgens in aller Frühe beim Dreschen waren, und welche erst das gefährliche Spiel ahnten, als sie bei anbrechendem Tage an dem ½ Stunde entfernten Densborn vorbei segelten.“ .... So also entstehen „Sagen“!

 

 

Auch am 18. Januar war die Kölner Strecke noch gesperrt. Erst am 22. Januar wird unter der Überschrift: „Vom überstandenen Hochwasser“ das Abklingen der Gefahr gemeldet.

 

 

Anmerkung: Die Trierische Landeszeitung sowie der Trierische Volksfreund erschienen seinerzeit als Morgenausgabe und als Abendausgabe. Die Morgenausgabe war mit durchschnittlich 4 Seiten etwas umfangreicher als die Abendausgabe. Die vorherrschenden Themen waren natürlich die Ereignisse des Krieges, mit den Meldungen von den verschiedenen Fronten, den Erfolgen der U-Boote und politische Meldungen aus aller Welt – mit rund 2 Seiten. Lokales bezog sich weit überwiegend auf Trier. Aus der Region wird – im Vergleich zu heute – sehr wenig berichtet. Etwa 1 Seite  Anzeigen, vorwiegend in der Morgenausgabe, belegen das schon ausgeprägte Verständnis für die Bedeutung von Werbung.

 

 

 

Ernst Becker

04.01.2009