24.11.2017 05:01:24

Das waren noch Zeiten

Die früheren Zeiten

Von Gertrud Tintes

 

 

Liest man heut ein Buch aus vergangener Zeit

Dann glaubt man ein Märchen zu lesen

Da gabs keinen Hader und gabs keinen Streit

Da ist man sehr sittsam gewesen.

Da tat man nur das, was die Mutter erlaubt

Da waren die Mädchen so bieder

Sie haben mit 18 noch an den Storch geglaubt

Die Zeiten die kommen nie wieder.

 

Was war ein Dreimarkstück doch damals viel Geld

Da konntst du der Braut imponieren

Da hast du ihr nobel ne Bockwurst bestellt

Tatst ihr ne Brause spendieren.

Dann gingt ihr spazieren bei lauschiger Nacht

Und du nahmst sie zärtlich ums Mieder

Und hast noch 2,50 M nach Hause gebracht

Die Zeiten die kommen nie wieder.

 

Im Neubau zu wohnen – wie billig war das

Da konnt auch der Ärmste frohlocken

Die Wohnung war feucht – man wohnte „für naß“

Solange bis alles schön trocken.

Sechs Monate gratis, das hat sich gelohnt

Und war die Zeit um, zog man wieder.

Ich habe acht Jahre ohne Miete gewohnt,

Die Zeiten die kommen nie wieder.

 

Wenn früher die Mutti `en neuen Hut sich erstand

Dann war das ein Einkauf fürs Leben

Nach fünf Jahren wurde erneuert das Band

Mit `ner schönen Garnierung daneben.

Nach 10 Jahren wurde der Bibi gefärbt

Darüber kam ein buntes Gefieder

Und dann hat ihn noch später die Tochter geerbt

Die Zeiten die kommen nie wieder.

 

In Großmutters Kochbuch da stand mancherlei

Man nehme – man nehme – man nehme

1,20 die Butter, 5 Pfg das Ei

Da waren das keine Probleme

Für 2,95 da gabs ein Paar Schuh

Für 4 M ein Kleid und ein Mieder

Für 5 M da gabs die Verkäuferin dazu

Die Zeiten die kommen nie wieder.

 

Heut hängt uns die Zeit manchmal zum Halse heraus

Doch soll man nicht allzu sehr lästern

Es sah auch früher nicht immer rosig aus

Man denke zum Beispiel an gestern.

Da heulten Sirenen und dann gings los

Mir schlottern noch heut die Glieder

Denk ich daran, dann wünsch ich mir bloß:

Die Zeiten - nie wieder, nie wieder!

 

Hier das Gedicht der Autorin, meiner „Tante Traut“.

 

Betitelt und abgeschrieben am 21.12.2008

 

Ernst Becker

 

 

W.v.L.

 

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