20.11.2017 16:21:23

Priestergräber in Mürlenbach

                                                                                                                      Ernst Becker

                                                                                                                      August 2010

Priestergräber in Mürlenbach

 

Die Grabstätten der Priester, die in Mürlenbach gewirkt haben und hier ihre letzte Ruhestätte fanden, wurden über die Zeiten hinweg erhalten - ein Zeichen der Wertschätzung dieser Seelsorger. Unsere Priestergräber werden ehrenamtlich betreut und gepflegt.

Zum alten religiösen Brauchtum gehört der Besuch der Priestergräber am Gedenktag Allerseelen. Der jährliche Gedenktag der verstorbenen Seelen wurde im Laufe der Zeit auf den Allerheiligen-Tag verlagert. Dann kommen die Angehörigen der Verstorbenen von nah und fern. Nach der Messfeier führt eine Prozession zum Friedhof. Man besucht die mit Blumen und Gestecken geschmückten Gräber der Lieben, wobei anschließend auch die Priestergräber besucht werden.

 

a) Die Priestergräber auf dem Friedhof

 

1. Grabstätte des Pfarrers Ahrent

Grabmal aus Sandstein, 165 cm hoch, an der Kreuzmitte ein Christuskopf, am Kreuzschaft ein reliefartiges Symbol - Kelch mit Hostie - und in den Sockel eingemeißelte Inschrift:

 

 

 

Hier ruht in Gott

der  hochwür. Jubilar

Priester Herr

Arnold Ahrent

Pfarrer in Mürlenbach

geb. am 6. Sept. 1798

gest. am 22. Oct. 1877

 

R.I.P.

 

 

Arnold Ahrent aus Schönecken war am 6.9.1798 als Sohn von Franz und Luise Claes geboren. Zum Priester wurde er geweiht am 22.12.1821 in Metz. Danach war er Kaplan in Wittlich, Manderfeld und Gerolstein und Pfarrer in Irrel, Norath und Densborn und ab 20.6.1848 bis zu seinem Tode am 22.10.1877 in Mürlenbach.

Bereits ab 1847 versah er, noch als Pastor von Densborn, die Administration der Pfarrei Mürlenbach. Eine Niederschrift der Ortsgemeinde vom 18. Januar 1848 führt hierzu interessante Einzelheiten aus:

„Während der durch Versetzung des Herrn Pfarrers Meyers von Mürlenbach nach Olzheim in ersterer Pfarrei eingetretenen Vakanz versieht der Herr Pastor Ahrents

von Densborn die Administration daselbst, wofür derselbe die Hälfte des Staatsgehaltes mit 250 Frcs, oder 69 Th 18 Gr gesetzlich zusteht, da nun derselbe, nebst der Verwaltung – dem Wunsche der betreffenden Einwohner entsprechend – jeden Sonntag, und zwar abwechselnd an dem einen Früh- und dem anderen Spät- oder Hochmesse hält, hat der Gemeindevorsteher Bohnen in Mürlenbach, im Einverständnis der Kirchenratsmitglieder mit Hh Pfarrverwalter in Betreff des Honorars für die Sonntagsmessen, unterhandelt, wobei dieselben dahin einig geworden, dass dem Letzteren, für jede Sonn- und Feiertagsmesse, ohne Unterschied deren Eigenschaft, Einen Thaler und fünfzehn Sgroschen zukommen sollten.“

So ist erklärlich, dass in verschiedenen Quellen die Amtszeit als Pfarrer von Mürlenbach ab 1847 (Übernahme der Administration der Pfarrei), statt richtig 1848, angegeben ist.

 

In Mürlenbach war er von den Auswirkungen des Kulturkampfes betroffen, denn „1875 ist die Pfarrstelle vakant“. Der Kulturkampf zwischen Preußen und der Kirche wurde erbittert geführt. Im Jahre 1876 wurden 250 Priester des Bistums Trier vor Gericht gestellt und 230 von 731 Pfarreien waren vakant. Der Trierer Bischof Matthias Eberhard war 1874 verhaftet und anschließend zu einer hohen Geldstrafe und neun Monaten Haft verurteilt worden. Er verstarb 1876 - sechs Monate nach seiner Haftentlassung. Pfarrer Ahrent gehörte offenbar zu den betroffenen 250 Priestern. Nach seinem Tode im Jahre 1877 blieb die Pfarrei Mürlenbach noch bis 1884 vakant und wurde von Densborn (die Filiale Kopp von Birresborn) aus verwaltet.

 

 

 

2.Grabstätte des Pfarrers Jakob

135 cm hohes Grabmal aus Kunststein, mit Inschrift und Symbolen Kelch mit Hostie und Stola:

 

HIER RUHT IN GOTT

DER HOCHWÜRDIGSTE HERR

NIKOLAUS JAKOB

PFARRER IN MÜRLENBACH 1927 – 1947

GEB. IN MONDORF/Saar 24.8.1883

GEST. IN MÜRLENBACH 19.4.1947

GEDENKET MEINER IM GEBETE!

 

 

Pfarrer Nikolaus Jakob übernahm am 22.12.1927 die Pfarrei Mürlenbach von seinem Vorgänger Lorenz Buhr (1919-1927), in dessen Amtszeit der Erweiterungsbau der Kirche fällt.

Aus seinem Totenzettel:

„Christus, der ewige Hohepriester nahm seinen treuen Diener, den Hochwürdigen Herrn Nikolaus Jakob, Pfarrer von Mürlenbach, am 19. April zu sich in die ewige Heimat. 4 Monate ertrug er eine schwere Krankheit mit vorbildlicher Geduld in der Kraft des Herrn, den er oft empfing.

Der Verstorbene war geboren am 24. August 1883 in Mondorf/Saar. Zum Priester geweiht am 12. März 1910 wirkte er als Kaplan 5 Jahre in Ottweiler und 2 Jahre in Oberwesel. Von 1917 bis 1927 war er Pfarrer in Seesbach und nahezu 20 Jahre bis zu seinem Tode Pfarrer in Mürlenbach, wo er am 23. April 1947 beerdigt wurde. Ein opfer- und segensreiches Priesterleben erlischt hienieden um in der Ewigkeit die Krone des Lebens zu empfangen.“

 

Nach Nikolaus Jakob wurde Johannes Zick Pfarrer von Mürlenbach.

 

 

  

3. Grabstätte des Pfarrers Ebert

Marmortafel, 50 cm hoch und 65 cm breit, mit folgender Inschrift:

 

EDMUND EBERT

1894 – 1966

(Kelch) 13.8.1922

PFARRER IN

WALDBÖCKELHEIM

HIRSCHFELD

MÜRLENBACH

 

Pfarrer Edmund Ebert war nicht für die Pfarrei Mürlenbach tätig, sondern war der erste Hausgeistliche des Don-Bosco-Hauses – von 1958 bis 1966. 

 

Am 13. Februar 1894 wurde er als Sohn eines Lehrers in Poltersdorf geboren.

Er besuchte als Konviktorist das Gymnasium in Prüm (1910-1914) und legte am 26. August 1914 die Reifeprüfung ab. 1915 trat er in das Trierer Priesterseminar ein und wurde am 13. August 1922 von Bischof Franz Rudolf Bornewasser in Trier zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Riegelsberg-Güchenbach (1922-1923), Sayn (1923-1925) und Rentrisch/Saar (1925-1931) und Pfarrer in Waldböckelheim (1931-1937) und Hirschfeld (1937-1956).

Aus Gesundheitsgründen musste er seine Pfarrstelle aufgeben und trat am 1. Dezember 1956 in den Ruhestand, den er zunächst in seiner Heimat Poltersdorf und ab September 1958 in Mürlenbach als Hausgeistlicher im Don-Bosco-Haus verlebte.

Den Schwestern und Insassen des Altersheimes war er ein treuer Berater und Helfer und arbeitete auch wissenschaftlich eifrig weiter.

Am 3. Mai 1966 starb er, 72 Jahre alt und im 44. Jahr seines Priestertums, in Prüm (Krankenhaus). Seine letzte irdische Ruhestätte erhielt er auf dem Friedhof in Mürlenbach.

 

Sein Grab bedeckte eine große Marmorplatte. Nach mehrmaliger Beschädigung wurde diese vor rund 15 Jahren nicht mehr ersetzt oder repariert, sondern die Grabstätte eingeebnet. Einige Zeit später wurde zum Gedenken des Priesters an gleicher Stelle die beschriebene Marmortafel aufgestellt.

 

b) Grabmal an der Kirche

 

4. Grabmal des Pfarrers Knodt

Das Grabmal befindet sich an der Südseite des Turmes. Es ist aus Sandstein, 190 cm hoch und 83 cm breit; unter einem Kreuz die Symbole Kelch und Hostie – links und rechts flankiert durch eine Kerze und hierunter die eingemeißelte Inschrift:

 

 

 

HIER RUHET DIE HÜLLE DES

HW. HR. PETER DANIEL KNODT

GEBOREN ZU TRIER AM 5. X BER

1749. PRIESTER GEWIEHEN

AM 17. X BER 1774. BIS 1803

PASTOR UND CANONICUS ZU

KILBURG. BIS 1824 PASTOR

ZU MÜRLENBACH. GESTORBEN

AM 27. APRIL 1828.

GOTT GEBE SEINER SEELE

DEN EWIGEN FRIEDEN.

 

Peter Daniel Knodt war am 5.12.1749 als Sohn von Joh. Matthias und M. Catharina  Cornet in Trier geboren. Am 28.5.1774 Subdiakon in Kyllburg. Priesterweihe am 17.12.1774  in Trier. Frühmesser und Chorisocius in Kyllburg (13 Jahre), Vikar in Orsfeld (6 Jahre), 1795 Kanoniker und Pfarrer in Kyllburg. Ab 10.5.1803 war er Pfarrer in Mürlenbach und ging 1825 in den Ruhestand. Er starb am 27.4.1828.

 

Dem Pfarrer von Mürlenbach stand seinerzeit ein Zusatzgehalt in Naturalien zu, dies betrug von jeder Ehe 1 Scheffel Korn und 1 Scheffel Hafer (für den Filialort Birresborn bestand eine abweichende Regelung). 1815 beklagt sich jedoch Pastor Knodt, dass ihm die zustehenden Naturalien nicht gebracht würden und er praktisch von Haus zu Haus das ihm Zustehende erbetteln müsse.

 

 

c) Grabstätte in der Kirche

 

5. Grabstätte (eines Priesters?) im alten Chore der Kirche

 

Bei den Bauarbeiten zur Erweiterung der Kirche wurden 1923 noch zahlreiche Skelette gefunden. „Auch fand sich im alten Chore, direkt in der Mitte vor der Kommunionbank, ein vollständig erhaltenes Skelett vor, das dann tiefer in den Boden der Kirche eingegraben wurde.“

Wer an derart hervorgehobener Stelle seine letzte Ruhestätte gefunden hat, bleibt wohl für immer unbekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um die Grabstätte eines Mürlenbacher Priesters.

 

 

Zum Abschluss zitiere ich den Kölner Kardinal Meisner, der im Fastenhirtenbrief 2009 ausführt, der Zustand der Priestergräber sei ein Seismograph der Wertschätzung des Priesterberufs. „Wo der Priesterberuf geachtet wird, dort werden auch die Priestergräber gepflegt.“