21.11.2017 12:56:19

Die Schwestern des Don-Boso-Hauses Mürlenbach

Die Schwestern des Don-Bosco-Hauses Mürlenbach

 

 von Ernst Becker        

 

In den acht Jahrzehnten seines Bestehens wurde die wechselvolle Geschichte des Don-Bosco-Hauses maßgeblich von dem Wirken seiner Ordensschwestern geprägt. Deren segensreiche Tätigkeiten im Dienste Gottes und für die Menschen sollen durch diesen Beitrag gewürdigt und vor der Vergessenheit bewahrt werden.

 

Das Don-Bosco-Haus wurde 1930 als Exerzitienhaus und Erholungsheim gegründet. Es beherbergte zeitweise den Kindergarten, war Aufnahmestelle für Alte und Hilflose und für Kriegsgeschädigte; es wurden Näh- und Kochkurse abgehalten, und viele Jahre - bis zur Schließung am 30. Juni 2005 – war es ein Alten- und Pflegeheim.

 

Leider liegen aus der Anfangszeit nicht viele Informationen vor. Hubert J. Müller schreibt 1932: „Der Freund und Führer der katholischen Jugend, Prälat Anheier, erwarb im Jahre 1930  die hart am Irbelsborn gelegene Villa Krumpen und richtete hier das Exerzitienhaus „Don Bosco“ ein, das sich in der ganzen Eifel besonderer Beliebtheit erfreut und in der kurzen Zeit seines Bestehens schon große segensreiche Erfolge zu verzeichnen hat. Die Leitung des Hauses untersteht Schwestern aus der Kongregation der christlichen Lehre. Von Frühjahr bis Herbst können erholungsbedürftige Mädchen, Frauen und Kinder zu mäßigen Pensionspreisen Unterkunft finden. Außerdem finden im Don-Bosco-Hause Bildungs-, Näh- u. Kochkurse u.s.w. statt, auch wird Krankenpflege übernommen. Den Jungmännern stehen zu Vereinszwecken, Jugendtagungen u.s.w. geräumige Zimmer zur Verfügung“.

 

Der Verfasser konnte nicht ahnen, dass bereits 1932 die Kongregation der Schwestern von der christlichen Lehre (Schulschwestern von Luxemburg) das Haus aufgab. Noch im gleichen Jahre übernahmen es Schwestern der Kongregation der Schwestern der heiligen Elisabeth von Luxemburg, die bis heute dem Haus und Mürlenbach die Treue halten.

 

Einen Einblick in das Wirken der ersten Jahre des Bestehens gewährt die (gekürzte) nachstehende Notiz in der Eifeler Volkszeitung vom 31. Mai 1932:

„In dem Eifel-Exerzitienhaus Don Bosco in Mürlenbach finden im Juni nachstehende Einkehrtage statt:

5. Juni für Jungfrauen, 11. Juni für Lehrerinnen, 12. Juni für Männer und Jungmänner, 17.Juni  für Pfarrhaushälterinnen, 18. Juni für Lehrer, 19. Juni für Frauen. Anmeldungen erbeten an die Schwester Oberin in Don Bosco, Pensionspreis zeitgemäß, d.h. mäßig.“

 

 

Zur  Einrichtung eines Kindergartens fasste der Gemeinderat am 12. Mai 1941 folgenden Beschluss:

„In dem Bosko-Hause soll seitens der NSV[1] ein Dauer-Kindergarten untergebracht werden. Die Veränderungen in einem Nebenbau des Hauses lässt die Gemeinde ausführen und zahlt Miete für den in Frage kommenden Raum.“

 

1939 mussten die Schwestern dem Militär das Haus überlassen. Das Haus war beschlagnahmt worden, die Schwestern wurden auf andere ihrer Häuser verteilt. Aber bereits 1942 durften sie zurück, um sich schweren Aufgaben in der Pflege alter und hilfloser Frauen zu widmen, die wegen des Krieges und der zunehmenden Bombenangriffe vom Irminenstift  in Trier nach Mürlenbach verlegt worden waren. Als sich die Fronten näherten, wurden diese entwurzelten Menschen mit einigen Schwestern nach Salzig gebracht. Nach Ende des Krieges kehrten sie zurück, und die Schwestern machten sich mit Mut und Gottvertrauen an einen Neubeginn.

 

Einwohner, deren Häuser durch Kriegseinwirkung zerstört oder unbewohnbar geworden waren, fanden Aufnahme im Don-Bosco-Haus.

 

Mehr als sechs Jahrzehnte hindurch wurden hier alte und kranke Menschen liebevoll betreut. Am 30. Juni 2005 endete diese segensreiche Zeit mit der Schließung des Alten- und Pflegeheimes.

 

Vier Ordensschwestern leben derzeit noch im Don-Bosco-Haus.

 

 

Die Schwestern der heiligen Elisabeth von Luxemburg

 

1. Verstorbene Schwestern

 

Sr Oktavia (Barbara Geisen)

Sie war geboren am 10. Januar 1882 in Cruchten. Als Pionierin der Anfänge des Hauses und 1. Oberin vom Orden der hl. Elisabeth hat sie in schweren Zeiten Unschätzbares geleistet. 1939 von den Nazis aus dem Hause verwiesen, kehrte sie während des Krieges zurück, um in Bedrängnis geratenen Mitmenschen zu helfen. In den folgenden Jahren der Not und des Hungers haben sie und Schwester Achillia durch Anschaffung von Land und Vieh den ihr anvertrauten Menschen das Lebensnotwendigste gesichert. Fast 30 Jahre lang hat Sr. Oktavia ihre ganze Kraft dem Hause gewidmet. Etwa 1958 ging sie zurück nach Luxemburg, wo sie am 20. Juni 1964 verstorben ist.

 

Sr Achillia (Elisabeth Becker)

Am 30. März 1902 war sie in Niehl geboren.

Von 1933 bis zur Beschlagnahmung des Hauses 1939 war sie in Mürlenbach. Am 5. September 1949 kam sie zurück und blieb bis zum 16. Oktober 1969. Als examinierte Hauswirtschafterin leitete sie die Küche. Von einem Bauernhof stammend, waren ihr auch Landwirtschaft und Garten  vertraute Aufgabengebiete. Sr Achillia hat in schwierigen Zeiten still und bescheiden Großartiges geleistet. Sie ging 1969 zurück ins Mutterhaus in Luxemburg, als ihre Kräfte die schwere Arbeit nicht mehr zuließen.

Dort ist sie am 27. April 1970 verstorben.

  

Ihr Bruder Hubert Becker war Pater (MSF) und dem Hause, in dem seine Schwester so segensreich wirkte, sehr verbunden. Er war hier tätig als Hausgeistlicher vom 30. Dezember 1988 bis zum 10. Mai 1989.

 

Sr Peregrina (Martha Hewer)

Geboren war sie am 6. Juli 1910 in Haustadt (Merzig).

Ihre 1. Profess legte sie ab am 23. April 1931. Sie war eine der ersten Mürlenbacher Schwestern, die nach dem Krieg aufopferungsvoll und mit viel Mut und Gottvertrauen Aufbauarbeit leisteten. Demutsvoll leistete sie 25 Jahre Arbeit in der Wäscherei, teilweise unter sehr schwierigen Bedingungen – ohne maschinelle Hilfe. Ihre Lieblingsbeschäftigung war die Pflege der Blumen.

Verstorben ist sie am 24. August 1978 in Mürlenbach.

 

Sr Ludmilla (Catharina Ludwig)

Sie war geboren am 1. April 1898 in Platten bei Wittlich.

In Mürlenbach war sie  tätig vom 20. März 1951 bis April 1952.

Verstorben ist sie am 15. Dezember 1968 in Diekirch.

 

Sr Clementina (Margaretha Polcher)

Am 3. Mai 1896 war sie in Koblenz geboren.

Sie war ausgebildete Krankenschwester, Laborantin und Erzieherin. Während des Krieges leitete sie ein Mädchenheim. Am 4. Oktober 1951 kam sie nach Mürlenbach. Zunächst wurde hier noch Jugendarbeit geleistet, später erfolgte der Ausbau des Hauses für die Altenpflege. Sie übernahm das Amt der Oberin des Hauses von Sr Oktavia. Die Chronik des Hauses vermerkt im Jahre 1972: „Sie war 20 Jahre Oberin des Hauses. Ab 1954 leitete sie alle Renovierungsarbeiten (Neu- und Anbauten).

Am 29. September 1976 feierte sie ihre Goldene Profess. Den Regeln entsprechend war sie im mehrmaligen Wechsel mit anderen Schwestern die Oberin des Hauses. Im Oktober 1983 erhielt sie die Staatsmedaille für besondere Verdienste. Die Laudatio hielt Landrat Orth. 1984 beging sie ihr 60-jähriges „Diamantenes“ Ordensjubiläum (zusammen mit Sr Generosa, die ihre 50-jährige Profess feierte).

Sie verstarb am 20. September 1985 in Mürlenbach.

 

Sr Vincentia (Sybilla Bong)

Sie war geboren in Stolberg b. Aachen am 30. Oktober 1914.

In Mürlenbach war sie von 1952 bis 1955.

Sie ist verstorben am 4. April 1991 in Diekirch.

 

Sr Xaveria (Maria Leineweber)

Geboren war sie am 21. Juni 1910 in Pachten.

Sie war in Mürlenbach vom 9. Mai 1955 bis 7. August 1963.

Verstorben ist sie am 11. Februar 1990 in Lebach.

 

Sr M. Theodosia (Gertrud Trappen)

Sie war geboren am 2. März 1939 in Mürlenbach.

Im Don-Bosco-Haus war sie vom 7. August 1963 bis Mai 1964.

Am 15. Mai 1964 ist sie aus dem Orden ausgetreten.

 

Sr M. Pamphilia (Martha Meyer)

Geboren war sie am 31. August 1938 in Lünebach.

Als diplomierte Krankenschwester kam sie am 2. November 1967 ins Don-Bosco-Haus. Zeitgleich wurde dieses ein Alten- und Pflegeheim. Am liebsten und mit ganzer Hingabe pflegte sie die Ärmsten der Armen. 1971 feierte sie ihr Silbernes Ordensjubiäum (zusammen mit Sr. M. Dominika).

Sie ist am 8. November 1993 in Mürlenbach verstorben.

 

Sr Renata (Anna Hoor)

Geboren war sie am 2. Januar 1910 in Schleidweiler.

Sie kam am 8. April 1969 nach Mürlenbach und übernahm die Küchenleitung als Nachfolgerin von Sr Achillia. Mit aller Kraft und ihrem vielseitigen Können diente sie Gott und den Menschen. Als ihre Kräfte nachließen, ging sie nach Luxemburg zurück, wo sie wenige Wochen später - am 23. Oktober 1993 - im Krankenhaus verstorben ist.

 

Sr Generosa (Margareta Engels)

Sie war geboren am 13. November 1914 in Roisdorf (Bonn).

Sie war ausgebildete Krankenschwester und wirkte über 40 Jahre in der großen Städtischen Klinik in Esch/Luxemburg. Im September 1979 kam sie nach Mürlenbach. Die Hauschronik vermerkt: „Sie ist im Pensionsalter und versucht noch zu tun, was ihr möglich ist.“ 1984 feierte sie ihr „Goldenes“ Ordensjubiläum (zusammen mit Sr Clementina, die ihr 60-jähriges feierte). 1988 musste sie ihr Wirken in Mürlenbach beenden und wechselte in das Altenheim des Ordens in Bettembourg.

Dort verstarb sie  am 17. Juli 1997.

 

Sr Eliana (Katharina Etringer)

Sie war geboren am 13. Oktober 1913 in Onsdorf. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter sorgte sie mit für ihre fünf Geschwister. Im Heiligen Jahr 1933, am 13. Mai, trat sie in den Orden ein. Als examinierte Krankenschwester leistete sie mit größter Hingabe 45 Jahre lang ihren Dienst in der großen Städtischen Klinik in Esch/Luxemburg, wo sie Stationsleiterin war. Danach war sie ein Jahr in Diekirch eingesetzt, bevor sie 1988 nach Mürlenbach kam. Hier wurde sie alsbald zur Oberin gewählt. In diesem Amt leitete sie das Haus bis 1991.Trotz ihres hohen Alters versah sie noch mancherlei Dienste, so lange es ihre Kräfte zuließen.

Am 26. Mai 2010 verstarb sie in Mürlenbach.

 

Sr Hildegard-Maria (Lydia Zimmer) 

Am 04.12.1934 war sie in Thalexweiler geboren.

Sie trat am 05.09.1960 in den Orden ein und legte 1961 ihre Ewige Profess ab. Sie bestand das Examen als Erzieherin bei den Borromäerinnen in Vallendar. Nach einem Jahr praktischer Tätigkeit in einem Kinderheim in Luxemburg wurde sie als Lehrerin für Kindergärtnerinnen eingesetzt. Danach war sie jeweils ein Jahr lang in Schmelz-Aussen und in Knapsack tätig. Am 1. Oktober 1968 übernahm sie die Leitung des Kindergartens in Mettendorf – bis 1993. Zeitweise leitete sie das Haus - das auch Alten- und Pflegeheim war und im Winter Koch- und Nähkurse abhielt - als Oberin, den Ordensregeln entsprechend im Wechsel mit anderen Schwestern. Nachdem das Haus in Mettendorf aufgegeben wurde, kam sie am 29. Mai 2009 nach Mürlenbach. Sie verstarb am 17. Juli 2010.

 

 

2. Derzeitige Schwestern des Don-Bosco-Hauses:

 

Sr M. Dominika (Elisabeth Bernardi)

Geboren ist sie am 17. November 1937 in Körprich/Saarland.

Sie trat 1956 als Schneidergesellin in den Orden der Schwestern der hl. Elisabeth von Luxemburg ein. Sie bildete sich weiter in ihrem Handwerk und legte 1959 die Meisterprüfung in Saarbrücken ab. Am 11. November 1959 kam sie ins Don-Bosco-Haus.

In den Jahren bis 1972 hielt sie Nähkurse für die Frauen und Mädchen des Ortes und der Umgebung ab. In dieser Zeit, als noch vieles selbst hergestellt wurde, waren die in den Nähkursen erlernten Kenntnisse und Fertigkeiten für die Frauen eine unschätzbare Hilfe. Die Kurse fanden in den Wintermonaten statt und wurden von jeweils rund 20 Mädchen und Frauen besucht. Bis ins Jahr 1972 besuchten so mehr als 200 Teilnehmerinnen ihre Nähkurse.

Sie wurde 1969 zur Oberin ernannt. 1976 -1977 in Freiburg zur Heimleiterin ausgebildet, übernahm sie diese Aufgabe im Don-Bosco-Haus, bis zu dessen Schließung zum 30. Juni 2005. Bis 2006 war sie Oberin im mehrfachen Wechsel mit Sr Clementina und später Sr Eliana. Die kommunalen Stellen würdigten am 11. November 2009 ihre 50-jährige segensreiche Tätigkeit in Mürlenbach. 

 

Sr Cyrilla (Erika Koch)

Sie ist geboren am 20. September 1939 in Burgau/Schwaben und trat am 1. April 1960 in den Orden ein.

Ihre Ewige Profess legte sie ab am 4. Oktober 1968.

Sie ist examinierte Krankenschwester und kam am 21. März 1995 nach Mürlenbach.

 

Sr Luzia (Ingrid Jakobs aus Mürlenbach)

Geboren ist sie am 13. November 1941.

Nach ihrem Eintritt in den Orden am 7. März 1960 war sie als Novizin im Mutterhaus in Luxemburg bis 1962. Danach war sie bis 1963 tätig im Kinderheim Centre du Rham. 1963-1965 besuchte sie die St. Elisabeth-Krankenschule, mit dem Abschluss „Examinierte Krankenschwester“. Die Ewige Profess legte sie am 4. Oktober 1968 ab.

1965-1979 war sie in den Kinderheimen Limpertsberg, Esch/Alzette und im Städtischen Kinderheim in Luxemburg, jeweils als Stationsleiterin. 1979 -1986 war sie tätig in Altenheimen in Luxemburg und Bofferdingen. 1986 kam sie in das Alten- und Pflegeheim in ihrem Heimatort Mürlenbach. 1998 erhielt sie die Befähigung für die „Leitung einer Pflegestation“. Seit ihrer Wahl im Jahr 2006 ist sie die Oberin des Hauses.

 

Sr Irmgard (Irmgard Michels)

Sie ist geboren am 20. März 1963 in Hillesheim.

In den Orden trat sie ein am 6. Januar 1985. Seit dem 8. August 1987 ist sie in Mürlenbach. Ihre Ewige Profess legte sie im September 1994 in Luxemburg ab. Nach der vorgeschriebenen Ausbildung und 1998 bestandenem Examen ist sie Staatlich anerkannte Altenpflegerin.

 

 



[1] (NSV = Nationalsozialistische Volkswohlfahrt)