20.11.2017 16:03:07

Eine "vergessene" Primiz in Mürlenbach

Eine „vergessene“ Primiz in Mürlenbach: Matthias Arenth, 1871                                                                                                                                       

von Ernst Becker

 

Erste Primiz in Mürlenbach.

Mürlenbach. Hier wurde am Sonntag die erste Primizfeier der Pfarrgemeinde überhaupt begangen.

 

So leitete eine Trierische Zeitung ihren Bericht zu der Primizfeier des Neupriesters Klaus Peters im Jahre 1967 ein. Allerdings feierte in Mürlenbach bereits 1871 der neugeweihte Priester Matthias Arenth seine Primiz. Weder im Bewusstsein der Bewohner Mürlenbachs ist dies  bekannt, noch gibt es hier irgendeine schriftliche Überlieferung. Wie konnte Matthias Arenth in Mürlenbach ganz in Vergessenheit geraten?

 

Nikolaus Arenth aus Schönecken, hat dem Verfasser freundlicherweise historische Unterlagen zu seinem Verwandten überlassen. Ergänzt durch Angaben des Redemptoristen-Ordens sowie eigene Nachforschungen kann die Lebensgeschichte des Mürlenbacher Primizianten Matthias Arenth nachvollzogen werden:

 

  

 

 

Matthias Arenth wurde am 17. Mai 1846 in Schönecken, Pfarrei Wetteldorf, geboren. Sein Vater starb, als er noch sehr jung war. Im Alter von 11 Jahren verlor er auch seine Mutter. Das Waisenkind nahm sein Onkel, Pfarrer Arnold Ahrent[1], der als Pastor in Mürlenbach wirkte, zu sich, zog ihn auf und ließ ihn studieren. Matthias besuchte das Gymnasium Trier von 1861 bis 1867 und studierte anschließend Philosophie in Münster. Nach einem Jahr wechselte er an das Priesterseminar nach Trier und studierte Theologie. Am 26. August 1871 wurde er zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er am 10. und 11. September in Mürlenbach. Mit ihm feierte sein Onkel Arnold Ahrent gleichzeitig seine Secundiz (Priesterjubiläum nach 50 Priesterjahren).

 

 

 

 

  

Nach seiner Priesterweihe war Matthias Arenth zwei Jahre lang Kaplan in der im Jahre 1858 gegründeten Pfarrei Dudweiler.

                                                                                                                                               

Im Verlaufe des Kulturkampfes wurde der Orden der Redemptoristen durch Verfügung des Reichskanzlers Fürst v. Bismarck vom 20. Mai 1873 verboten. Die Ordensleute verließen Deutschland, so auch die Redemptoristen des Trierer Klosters. Die Betreuung der zahlreichen Laien, welche in der St. Josephkirche, die seit 1854 Beichtkirche der Redemptoristen war, zur Beichte und zur Messe kamen, war nicht mehr gegeben. Am 1. Oktober 1873 wurde daher Matthias Arenth nach Trier beordert und als Rektor an St. Joseph eingesetzt.

 

Aber auch er bekam – ebenso wie die Ordensleute und wie sein Onkel, der Pfarrer von Mürlenbach – zunehmend Schwierigkeiten mit den Behörden. Auf dem Höhepunkt des Kulturkampfes wurde am 24. Februar 1875 über sein priesterliches Wirken eine Sperre verhängt. Später wurde er sogar angeklagt und verurteilt und musste für 14 Tage ins Gefängnis. Nach seiner Haftzeit ging er nach Belgien in das Redemptoristenkloster in St. Truiden. Noch im gleichen Jahr trat er in den Orden der Redemptoristen ein und wurde Novize im Kloster Tavigny. Er legte am 7. April 1876 das Ordensgelübde ab.

 

Als Redemptorist war Pater Arenth zunächst in Luxemburg tätig. Als Folge des Kulturkampfes gründete der Orden im Jahre 1873 ein Kloster in Vaals (Niederlande, nahe der deutschen Grenze bei Aachen). Am 2. Mai 1880 wurde hier ein Juvenat (Klosterschule für angehende Patres) eröffnet. Pater Arenth war zu dessen Direktor berufen worden. Seine ganze Kraft widmete er dem Aufbau der Studienanstalt und unterrichtete auch selbst die Klosterschüler.

 

1893 übernahm er neben der Tätigkeit als Direktor der Klosterschule auch die Leitung des gesamten Redemptoristenklosters Vaals.

 

Wahrscheinlich als Folge seines hingebungsvollen Einsatzes wurde er im November 1894 krank und verstarb im Alter von nur 48 Jahren am 17. Januar 1895 in seinem Kloster, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. Das Kloster Vaals wurde 1937 endgültig geschlossen. Ein Grabdenkmal erinnert dort noch an Matthias Arenth – der als Junge nach Mürlenbach kam und später als neugeweihter Priester hier seine Primiz feierte.   

 

 Das Foto und die Erinnerungskarte von der Primizfeier befinden sich in der Sammlung von Nikolaus Arenth, Schönecken.

 



[1] Die Schreibweise der Namen des Pfarrers Arnold „Ahrent“ und seines Neffen, des Primizianten Matthias „Arenth“, ist unterschiedlich..